Ionisationskontrolle und Prüfung von Ionisatoren
Ionisation wird eingesetzt, wenn Ladung nicht wirksam durch herkömmliche Erdung abgeleitet werden kann, insbesondere bei Isolatoren oder isolierten Leitern. Luftstrom allein belegt keine Wirkung: Neutralisationsleistung und Ionenbalance müssen am Einsatzort geprüft werden.
Was wird bei der Ionisationskontrolle bewertet?
- Abklingzeit (Decay Time) beschreibt, wie lange der Ionisator benötigt, um eine Ladung zwischen definierten Pegeln abzubauen. Sie wird für beide Polaritäten geprüft.
- Offsetspannung / Ionenbalance zeigt, ob eine Polarität überwiegt und das geschützte Objekt erneut aufladen könnte.
Für die Messung wird üblicherweise ein geeigneter Ionisationstester oder Charge Plate Monitor verwendet. Messaufbau, Abstand, Anfangs- und Endwerte sowie Bewertungskriterien müssen zum gewählten Verfahren, ESD-Kontrollplan und zur Herstellerdokumentation passen.
Dort messen, wo das Produkt geschützt wird
Die Leistung wird durch Abstand, Richtung und Geschwindigkeit des Luftstroms, Hindernisse, Produktposition, Lüftereinstellung, Verschmutzung der Emitter und Umgebungsbedingungen beeinflusst. Eine Messung direkt am Auslass sagt daher möglicherweise wenig über die Wirkung am Arbeitsplatz aus. Die Prüfung sollte die reale Position des empfindlichen Bauteils oder Prozesses möglichst genau abbilden.
Ein praxistauglicher Prüfablauf
- Identifizieren Sie Ionisator, Position, Einstellungen und den zu schützenden Bereich.
- Führen Sie eine Sichtprüfung durch und kontrollieren Sie Luftstrom, Emitter, Filter und vorhandene Fehleranzeigen.
- Lassen Sie Ionisator und Messgerät entsprechend den Anweisungen stabilisieren.
- Positionieren Sie die Messplatte am definierten Arbeitspunkt und prüfen Sie beide Polaritäten.
- Messen Sie die Ionenbalance und dokumentieren Sie Position, Abstand, Einstellungen, Bedingungen und Ergebnisse.
- Vergleichen Sie die Werte mit dem internen Kriterium. Wiederholen Sie die Prüfung nach Reinigung, Einstellung, Reparatur oder Positionsänderung.
Typische Fehler bei der Ionisationskontrolle
- die Annahme, ein laufender Lüfter oder eine leuchtende Anzeige belege die Ionisationswirkung;
- Messung am Auslass statt am Standort des geschützten Produkts;
- Prüfung nur einer Polarität oder nur der Abklingzeit ohne Ionenbalance;
- nicht berücksichtigte Hindernisse, Arbeitsplatzänderungen oder verschmutzte Emitter;
- fehlende Dokumentation von Einstellung, Abstand, Bedingungen und Folgemaßnahmen.
Ionisation ersetzt keine Erdung
Leitfähige Gegenstände und Personen sind, wo möglich und sicher, kontrolliert zu erden. Ionisation behandelt vor allem Ladung auf Isolatoren und isolierten Objekten. Sie ergänzt das ESD-Schutzsystem, ersetzt aber keine anderen Maßnahmen.
Für interne Prüfungen eignen sich Ionisationstester. Geräte finden Sie unter Ionisation und Neutralisation; die Prüfung im Betrieb unterstützt Stat-X mit Messung und Kalibrierung. Weitere Verfahren fasst die Übersicht Messung und Prüfung im ESD-Schutz zusammen.